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Abgrenzung der Ethik zur ethischen Unternehmensführung

Ethik

Während die Moral die Gesamtheit der gemeinhin akzeptierten Verhaltensnormen einer Gesellschaft beziehungsweise die in einer Gruppe oder Organisation tatsächlich geltenden und notfalls erzwingbaren Normen bezeichnet, versteht man unter Ethik die Reflexionstheorie der Moral. Üblicherweise verbindet man mit Ethik Fragen wie „Was soll ich tun?“ oder „Wie handle ich moralisch legitim?“. Als Wissenschaft will die Ethik durch vernunftbestimmte Reflexion gültige Aussagen über das gute und gerechte Handeln sowie wünschbare Zustände finden.

Wirtschafts- und Unternehmensethik

Eine für die Wirtschafts- und Unternehmensethik wesentliche Unterscheidung ist die nach Individual- und Institutionenethik. Unter Individualethik versteht man eine Ethik der Person. Man stellt zum Beispiel die Frage: Unter welchen Bedingungen handeln Individuen moralisch? Das Gewissen und die Verantwortung des Einzelnen umfassen das moralische Subjekt. Systematischer Ort der Moral ist das Individuum. Die Institutionenethik hingegen fragt nach der Ethik der Institution: Unter welchen Bedingungen „handeln“ Institutionen moralisch? Systematischer Ort der Moral ist hierbei die Rahmenordnung. Institutionenethik sucht nach den ethischen Rahmenbedingungen individuellen Handelns die dem gerechten Zusammenleben aller dienen. Mit Zunahme der Handlungssubjekte auf den oben beschriebenen Handlungsebenen, also mit Verlagerung von der Mikro- auf die Superebene, steigt die Bedeutung der Institutionenethik, die der Individualethik nimmt tendenziell ab. Der Grund hierfür liegt in der Zunahme der Anonymität und der damit einhergehenden Reduktion einer funktionsfähigen Zugriffsmöglichkeit der Rahmenbedingung auf konkretes Handeln.
 

Gerade im normalen Business-Alltag eines Unternehmens führt ein individualethischer Ansatz alleine oftmals zu Dilemmata mit anschließender Resignation. Moralische und ökonomische Ziele sind häufig unvereinbar, wenn versucht wird individualethisch einen ökonomischen Konfliktfall (Kosten von moralisches Handeln > Nutzen von moralischem Handeln) zu lösen. Die Folge ist, dass moralische Ziele zugunsten ökonomischer Rationalität vernachlässigt werden. Da moralisches Handeln mit Kosten verbunden ist, bietet sich die ordnungspolitische Strategie einer Institutionenethik an, um den ökonomischen Konfliktfall positiv zugunsten ethischen Handelns aufzulösen. Dadurch, dass Institutionen geschaffen werden, welche ethisches Verhalten belohnen und unmoralisches Handeln sanktionieren, wird aus dem ökonomischen Konfliktfall ein positiver Kompatibilitätsfall, indem moralische Ziele mit ökonomischer Markt- und Wettbewerbsrationalität in Einklang gebracht werden. Erfolgt kein ordnungspolitischer Eingriff, sondern lediglich eine individualethische Begrenzung des ökonomischen Handelns, wird moralisches Verhalten gegenüber unmoralischem Handeln langfristig bestraft und kann so zu einem Verdrängungswettbewerb führen.

 

 

Quelle: K.Tokarski (2008): Ethik und Entrepreneurship