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Welche Vorteile hat die ethische Unternehmensführung?

 

Der Nutzen ethischer Führung 

Dauerhaft erfolgreiche Unternehmen unterscheiden sich von weniger erfolgreichen eigentlich nur durch einen einzigen Umstand: Sie schaffen es, die Sicherstellung eines sozialverträglichen Miteinanders im Unternehmen sowie die Verwirklichung der unternehmerischen Aufgaben mit einem Minimum an Aufwand zu vereinen. 

 

Konkurrieren diese Ziele jedoch miteinander, behindert das den Gesamterfolg eines Unternehmens. So macht es wenig Sinn, einerseits eine gute Ertragslage, aber gleichzeitig ein mieses Klima zu haben. Andererseits macht es eben so wenig Sinn, sich gut miteinander zu verstehen, jedoch gleichzeitig am Rande der Pleite zu stehen. 

 

Ethisch motivierte Führung ist kostensenkend. Eine Untersuchung des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Gallup hatte schon 2005 festgestellt, dass 73 Prozent der Mitarbeiter bei ethischer Führung einen optimalen Arbeitseinsatz zeigen, bei unethischer, rein funktionaler Führung, waren es nur 10 Prozent. Spaß an der Arbeit haben bei guter Führung 84 Prozent, bei schlechter nur 14 Prozent. 

Der durchschnittliche Krankenstand belegt, dass schlechte Führung teuer ist: Elf Tage sind Mitarbeiter im Durchschnitt krank, wenn sie unethisch geführt werden, bei ethisch motivierter Führung sind es nur fünf Tage. Ethik ist also auch bilanzwirksam. 

Es wird oft diskutiert, dass sich Unternehmen in einem wettbewerbsorientierten Markt Ethik nicht leisten könnten. Als Einziger ethisch verantwortungsvoll zu handeln bedeute, aufgrund des harten Wettbewerbs schon bald vom Markt verdrängt zu werden. Daraus folgt: Es muss geklärt werden, ob die Kosten für ethisch motiviertes Handeln von einem Unternehmen überhaupt getragen werden können. Würden sämtliche Unternehmen am Break-Even-Point produzieren, wären die Kosten zu hoch. Dies ist nicht der Fall. Solange Unternehmen versuchen, eine günstigere Situation herzustellen und gleichzeitig Gewinne machen, sind Aufwendungen für ethisch orientiertes Handeln zunächst einmal möglich: 

Finanzielle Aufwendungen 

Das Unternehmen erbringt zusätzliche Leistungen wie zum Beispiel Spenden, Umweltschutz oder verzichtet auf die Produktion von Waren, die in der Regel ethisch nicht verantwortet werden kann. Diese Leistungen sind ethisch erlaubt. 

Kostenneutrale Ethik 

Aktivierung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit der Führungskräfte und eine Aktualisierung von Tugenden wie Wohlwollen, Geduld, Nachsicht und Vertrauen. 

Verzicht auf Differentialrente 

Beim Verzicht auf Differentialrente hanldet es sich zum Beispiel um erworbene Geschäftsgeheimnisse, die nicht regelwidrig verwendet werden dürfen. 

Verzicht auf ethisch nicht vertretbare Praktiken

Beim verzicht auf ethisch nicht vertretbare Praktiken handelt es sich zum Beispiel um Bestechung oder unlauteren Wettbewerb. 

 

Kann der Bestand eines Unternehmens nur durch Zahlung von Bestechungsgeldern aufrechterhalten werden, dann ist auch der Hinweis auf Arbeitsplatzverlust nicht stichhaltig. Das Unternehmen arbeitet volkswirtschaftlich nicht effizient und verhält sich ethisch nicht vertretbar. Somit ist der Konkurs volkswirtschaftlich und ethisch vorzuziehen. 

 

Auch der Soziologe Fred Edward Fiedler wies schon in den 1960er Jahren nach, dass unethische Führung teuer ist. Mit seinem so genannten „Leistungsbusen“ zeigte er den Zusammenhang zwischen Leistung und Unzufriedenheit auf. Er wies nach, dass die Unzufriedenheit eines Mitarbeiters durchaus belastbar ist. Überschreitet sie jedoch eine Grenze, fällt die Leistung ab. Bei weiterer Zunahme der Unzufriedenheit steigt die Leistung kurzfristig noch einmal stark an, fällt danach jedoch endgültig auf den Nullpunkt und der Mitarbeiter verweigert sich total.

 

Fiedler stellte in diesem Zusammenhang fest, dass ethisch motivierte Führung mindestens drei bilanzwirksame Vorteile hat:

  • Die Transaktionskosten sind geringer. Werden Absprachen nicht eingehalten oder Verträge verletzt, einigen sich die Betroffenen bei ethisch motivierter Führung kostengünstiger. Die Wiedergutmachung wird nicht bis zum Letzten durchgefochten. Das gilt auch für Lieferanten und Kunden.
  • Die Migrationskosten sind geringer. Ethisch gut geführte Mitarbeiter, Lieferanten oder Kunden wollen nicht wechseln. Warum sollten Sie auch?
  • Die Interaktionskosten sind geringer. Ethisch motivierte Führung erzeugt weniger Reibungsverluste und bedarf weniger Absicherungsaktivitäten.

 

Leider tauchen diese Kosten nicht explizit in der Bilanz auf. Infolgedessen werden sie auch nicht genügend beachtet, obwohl sie ein Unternehmen an den Rand des Ruins treiben können.  

Der Nutzen ethischer Managementsysteme

Unter einen Ethik-Managamentsystem versteht man die Verhaltensregeln in einen Unternehmen gegenüber seiner Umwelt. Diese Systeme können für das Unternehmen folgende Vorteile erbringen:

Schutz vor unlauterem Verhalten 

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) bezweckt den Schutz der Mitbewerber, der Verbraucherinnen und Verbraucher und weiterer Marktteilnehmer vor unlauteren Wettbewerbsmethoden und soll das Verhalten der konkurrierenden Markteilnehmer „in den Bahnen des Anstandes, der Redlichkeit und der guten kaufmännischen Sitten halten“ (BVerfG GRUR 1993, 751).  

Weiterentwicklung und Ausprägung von Führungsverantwortung 

Für andere Menschen Führungsverantwortung übernehmen kann nur, wer sich selbst und das eigene Leben gut führen kann. Aus diesen Grund müssen sich Führungskräfte ständig weiterentwicklen um ethisch verantwortbare und für sich selbst persönlich vertretbare Entscheidungen treffen zu können.

Stärkung der Integrität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens 

Die Integrität ist das auf Erfahrungen und Erwartungen gestützte Ansehen bzw. Vertrauen, dass ein Unternehmen gegenüber seiner Umwelt hat, hinsichtlich der Berücksichtigung der Interessen der Umwelt bzw. der Einhaltung von Verträgen sowie formellen und informellen Regeln. Der Aufbau von Integrität ist eng mit der Übernahme von Verantwortung verbunden.

Förderung der Leistungskultur aller Mitarbeiter 

Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen, ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Mitarbeiterbeteiligung soll eine positive Leistungskultur fördern und die Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen. Durch materielle Anreize in Form von erfolgsabhängigen Vergütungen und Gewinnbeteiligung soll unternehmerisches Denken und Handeln der Mitarbeiter gefördert werden. Außerdem sollen so gute Mitarbeiter an das Unternehmen gebunden werden. Vorallem ist es wichtig Mitarbeiter immer weiter zu qualifizieren, um das Leistungsvermögen des Unternehmens zu sichern. 

 
Quellen: www.business-wissen.de, www.vku.de, www.hfph.de, www.tuev-nord.de, www.wirtschaftslexikon.gabler.de und www.rnz.de