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Das Konzept der „Goldenen Regel“

 

Bei dem Konzept der Goldenen Regel handelt es sich um eine formale Grundregel in Bezug auf sittlich richtiges Verhalten. 

 

Es existiert eine positive und eine negative Formulierung der Goldenen Regel. Die positive Formulierung lautet „Behandle andere so, wie auch du von Ihnen behandelt werden willst.“. Die negative Formulierung lautet: „Was du nicht willst, dass man dir tue, das füge auch keinem anderen zu.“ In beiden Ausprägungen wird dazu aufgefordert Abstand zu nehmen vom naturwüchsigen Handeln im Sinne eines bloßen Eigeninteresses oder einer Vergeltungsmoral. 

 

Durch die Goldene Regel werden keine spezifischen Handlungsweisen vorgegeben. Vielmehr hat diese die Bedeutung eines Maßstabes für sittliches Handeln sowie leitende Grundsätze. 

 

Aufgrund ihrer Einfachheit kann die Goldene Regel zur Lösung mancher sittlicher Differenzen verwendet werden. Allerdings kann die Goldene Regel auch nicht umfassend angewendet werden. Denn die Goldene Regel besitzt keine Relevanz gegenüber vielen Fragen des Verhaltens sowie der sozialen Ordnung, die aber gleichwohl eine moralisch relevante Komponente beinhalten. Darüber hinaus besitzt die Goldene Regel unter anderem einen wettbewerbsfeindlichen Charakter. In Bezug auf Formen des Wettbewerbs ist diese zu restriktiv. 

 

Allgemein kann festgestellt werden, dass die Goldene Regel kein hinreichend genauer Maßstab ist. Zum einen wird, genau wie beim Utilitarismus, eine sittliche Verantwortung lediglich gegenüber den Mitmenschen ausgesprochen und nicht auch gleichzeitig gegenüber dem Individuum selbst. 

 

Zum anderen können Probleme im konkreten Anwendungsfall entstehen, wenn die Goldene Regel unmittelbar auf Bedürfnisse und Interessen des jeweils Handelnden bezogen wird. Die Goldene Regel müsste dahingehend von konkreten Bedürfnisse und Interessen absehen. Sie könnte in einer erweiterten, abgewandelten Variante lauten: „Wie du willst, dass man deine Bedürfnisse und Interessen berücksichtigt, so berücksichtige auch du die Bedürfnisse und Interessen der anderen.“ Diese Variante führt eine gegenseitige Achtung und Rücksichtnahme an. Dabei vermeidet sie eine Maximierung des Kollektivwohls auf Kosten berechtigter Interessen von Minderheiten, wie dies beispielweise bei Utilitarismus der Fall sein kann.

 

In der wirtschafts- und unternehmensethischen Literatur wird die Goldene Regel in relativ geringem Maße thematisiert und erörtert. Eine weitere Ableitung der Goldenen Regel im wirtschaftlichen Kontext bezieht sich auf folgende Thematik:

 

„Investiere in die Bedingungen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil!“

 

Hier wird die Goldene Regel als Schlüssel des Verständnisses einer Erörterung und Operationalisierung der Moral als Managementaufgabe betrachtet. Dabei wird eine Anwendung der Goldenen Regel innerhalb der globalisierten Wirtschaft als problematisch gesehen, da sich ein äußerst komplexes System gebildet hat, so dass die Befolgung der Goldenen Regel oftmals nicht eindeutig erkennbar bzw. realisierbar ist.

 

 

Quelle: K.Tokarski (2008): Ethik und Entrepreneurship